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Sterbenslangweilig ist es in Todesfelde nicht

Ein Mann steht auf einer Straße © NDR Fotograf: Torsten Creutzburg

 

In Schleswig-Holstein gibt es mehr als 1.100 Städte, Dörfer und Gemeinden. Einige haben ziemlich merkwürdige Namen wie Witzwort, Damendorf, Todesfelde oder Ekel. NDR 1 Welle Nord Reporter Torsten Creutzburg hat diese Orte besucht. In unserer vierteiligen Serie stellt er die Geschichten hinter den eigenartigen Ortsnamen und deren Bewohnern vor.
Dunkle Wolken, Laub weht über die verlassene Straße, eine Krähe krächzt und ein Schild am Ortseingang aus Bark kommend begrüßt Besucher mit der Aufschrift „Deathfield“: Schauriger hätte es auch Alfred Hitchcock nicht inszenieren können.

Schnitt! Aus! Szene kaputt, denn das Gesicht von Tim passt so gar nicht in diese Kulisse. Tim ist Mitte zwanzig, trägt eine blaue Latzhose, steht wie Popeye mit Händen in die Hüfte gestützt in der Haustür – und er lächelt. Wie kann man an so einem Ort nur lächeln? Der Rest wäre perfekt, denn Tim heißt eigentlich Tim Kistenmacher und wohnt mit seiner Familie auf einem Bauernhof in der Todesfelder Straße in Todesfelde. „Nee, nee mit Särge bauen hat der Name Kistenmacher gar nichts zu tun, und hier ist alles lebendig und immer Action“, strahlt er zufrieden.
Todesfelde: So kann sich der Reporter täuschen

NDR 1 Welle Nord – Der Nachmittag – 26.10.2017 14:40 Uhr Autor/in: Torsten Creutzburg

Dunkle Wolken, verlassene Straßen, krächzende Krähen: Todesfelde hat einiges zu bieten, wie NDR Reporter Torsten Creutzburg festgestellt hat. Oder ist der Charme des Dorfes ein ganz anderer?

Silvana sieht das ähnlich. Sie kommt gerade aus den Kaufmannsladen mit Milch und Nudeln unterm Arm und hat einen ähnlich speziellen Nachnamen wie Tim. Silvana ist nämlich eine Bratfisch – und sie ist ein echter Farbklecks. Silvana liebt die Farbe Pink: pinke Schuhe, pinke Fleecejacke, pinke Haare: „Schwarz muss man hier in Todesfelde natürlich nicht tragen, man kann auch bunt rumlaufen“, stellt sie klar.

Der Charme des Schauders zieht seit Jahren mehr und mehr Menschen in den Ort im Kreis Segeberg. „Seit 2013 hat sich die Einwohnerzahl um rund 80 auf jetzt 1.099 Todesfelder gesteigert“, sagt Bürgermeister Mathias Warn nicht ganz ohne Stolz. Stolz ist sowieso ein recht ausgeprägtes Gefühl bei den Todesfeldern. Der 41-jährige Bürgermeister ist stolz auf das moderne Breitbandinternet im Dorf, die Ganztags-Kita und die gute Verkehrsanbindung an die A 7 und die A 21.

Victor Kaufmann, der kurioserweise auch den lokalen Kaufmannsladen führt, ist stolz „auf das tolle Gemeinschaftsgefühl und unseren SV Todesfelde“. Kann er auch, denn die 1. Herrenmannschaft des Fußballklubs, den die Fans auch „Deathfield“ nennen, spielt seit Jahren ganz erfolgreich in der höchsten Liga Schleswig-Holsteins.

Das morbide Image von Todesfelde passt so gar nicht zur Lebensfreude der Bewohner. Eigentlich auch nicht verwunderlich, schließlich hat der Ortsname nichts mit dem Tod zu tun, sondern „hat sich aus dem Plattdeutschen Wort Ode für Sumpf und Moor entwickelt“, erklärt Bürgermeister Warn. Todesfelde ist umgeben von Moorlandschaften, den sogenannten Odes Feld. Dazu kam noch das T und schon wurde aus „t’Odes Felde“ Todesfelde. In einer Sage heißt es zwar, dass der Name von einer Schlacht stammt. Bei Bauarbeiten 2012 wurde auch ein Gräberfeld mit 150 Brandgräbern gefunden. Dass das der Ursprung des Ortsnamen ist, daran glaubt aber im Ort kaum jemand.

Auch nicht Püppi, die Rauhaar-Dackeldame, die zitternd in einem Fahrrad-Körbchen sitzt. Spürt Püppi etwa den gespenstischen Hauch Todesfeldes? „Nee, die freut sich, dann zittert die immer“, beruhigt Frauchen Birgit. Die Frau aus dem Frankenland ist erst vor ein paar Jahren nach Todesfelde gezogen und fühlt sich hier mehr als wohl: „Hier ist das blühende Leben, Daumen hoch.“